library(pacman)
p_load(gtools)
recontres <- function(n) {
x <- 1:n
y <- permutations(n=n, r = n, v = x)
rval <- apply(t(t(y)==x), 1, sum) |> table()
return(rval)
}
recontres(6)
0 1 2 3 4 6
265 264 135 40 15 1
Stefan Jansen
2. Mai 2026
Vor einigen Jahren haben wir eine Klausuraufgabe gestellt bei der die Studentinnen und Studenten sechs Zuordnungen machen mussten: gegeben waren sechs Grafiken (A bis F), sowie sechs Datensätze (1 bis 6). Die Datensätzen sollen den zugehörigen Grafiken zugeordnet werden. Bei der Korrektur der Klausur fiel auf, dass es viele Studenten gab, die nur einen oder gar keine richtige Zuordnung gemacht haben. Dies waren offenbar die Studenten, die sich nicht vorbereitet haben… - aber darum soll es hier nicht gehen. Mir stellten sich die folgenden Fragen:
Aber fangen wir von vorne an.
Gegeben sind \(n\) (unterscheidbaren) Elemente. Unter einer Permutation versteht man in der Stochastik eine Anordnung der \(n\) Elemente. Dabei gibt es
\[ \begin{aligned} n! & := \prod_{k=1}^{n} k = 1 \cdot 2 \cdot \cdots \cdot n \end{aligned} \]
verschiedene Anordnungen der \(n\) Elemente.
Die drei Buchstaben ABC können auf \(3 \cdot 2 \cdot 1 = 6\) verschiedene Weisen angeordnet werden ABC, ACB, BAC, BCA, CAB und CBA.
Anagramme sind Permutationen. So ist STAUBTUCH eine Permutation von BAUSCHUTT und MEHL von HELM.
Unter einer fixpunktfreien Permutation (oder auch Derangement) versteht man eine Permutation bei der keines der Elemente an der ursprünglichen Stelle ist. So gibt es von ABC genau zwei fixpunktfreie Permutationen, nämlich BCA und CAB. Bei allen anderen Permutationen ist zumindest ein Element an der ursprünglichen Stelle.
Die Anzahl der fixpunktfreien Permutationen \(D_n\) wird auch als Subfakultät (Notation: \(!n\)) bezeichnet und kann wie folgt berechnet werden:
\[ D_n = !n = n! \sum_{j = 0}^{n} \frac{(-1)^j}{j!} = n!\left(\frac{1}{0!} - \frac{1}{1!} + \frac{1}{2!} - \frac{1}{3!} \cdots \right) \]
Schauen wir uns die ersten 10 Fakultäten und Subfakultäten, sowie den Anteil der fixpunktfreien Permutationen an allen Permutationen einmal an.
| \(n\) | \(n!\) | \(D_n = !n\) | \(\frac{n!}{\mathrm{e}}\) | \(\frac{!n}{n!}\) |
|---|---|---|---|---|
| \(1\) | \(1\) | \(0\) | \(0.3678...\) | \(0\) |
| \(2\) | \(2\) | \(1\) | \(0.3678...\) | \(0.5\) |
| \(3\) | \(6\) | \(2\) | \(2.2072...\) | \(0.\overline{3}\) |
| \(4\) | \(24\) | \(9\) | \(8.8291...\) | \(0.375\) |
| \(5\) | \(120\) | \(44\) | \(44.1455...\) | \(0.3\overline{6}\) |
| \(6\) | \(720\) | \(265\) | \(264.8731...\) | \(0.3680\overline{5}\) |
| \(7\) | \(5040\) | \(1854\) | \(1854.1123...\) | \(0.36785714...\) |
| \(8\) | \(40320\) | \(14833\) | \(14832.8990...\) | \(0.36788194...\) |
| \(9\) | \(363880\) | \(133496\) | \(133496.0916...\) | \(0.36787918...\) |
| \(10\) | \(3638800\) | \(1334961\) | \(1334960.9161...\) | \(0.36787946...\) |
Wir können erkennen, dass der Anteil der fixpunktfreien Permutationen von allen Permuatationen gegen einen festen Wert strebt, nämlich etwa 36.8 Prozent. Dies kommt daher, dass der Wert in der Klammer die Reihendarstellung von \(\mathrm{e}^{-1}\) ist, denn es gilt
\[ \mathrm{e}^x = \lim\limits_{n\to \infty} \sum_{k=0}^{n}\frac{x^k}{k!} \] mit \(x =-1\) ergibt sich die obige Reihe. Damit können wir die Anzahl der fixpunktfreien Permutationen für \(n \ge 3\) leicht berechnen indem wir den Ausdruck \(\frac{n!}{\mathrm{e}}\) auf die nächste ganze Zahl runden.
Gehen wir zu unserem Beispiel zurück und berechnen wie groß die Wahrscheinlichkeit ist bei zufälligem Zuordnen der 6 Grafiken keinen richtig zu haben, so ergibt sich mit Hilfe der obigen Formel:
\[ \begin{aligned} p & = \frac{\text{Anzahl der fixpunktfreien Permutationen}}{\text{Anzahl aller Permutationen}} \\ & = \frac{!6}{6!} \\ & = \frac{1}{6!} \cdot 6! \cdot \sum_{j = 0}^{6} \frac{(-1)^j}{j!} \\ & = 1 - \frac{1}{2} + \frac{1}{6} - \frac{1}{24} + \frac{1}{120} - \frac{1}{720} \\ & = \frac{53}{144} \\ & = 0,3680\overline{5} \end{aligned} \]
Interessant zu sehen ist nun, dass es ab \(n=4\) in etwa egal ist wie viele Zuordnungen man machen sollen, die Wahrscheinlichkeit keine richtig zu haben bleibt bei etwa 37 Prozent.
Beim Wichteln möchten wir eine fixpunktfreie Permutation der Teilnehmer haben, da sich keiner selbst beschenken soll. Beim klassischen Wichteln schreibt jeder seinen Namen auf einen Zettel. Diese werden eingesammelt und jeder zieht einen Zettel auf dem der Name der zu bewichtelnden Person steht. Offenbar kann man sich selbst ziehen und das ist wie wir oben gelernt haben gar nicht so unwahrscheinlich, da nur in etwa 37 Prozent der Fälle das Wichteln erfolgreich ist.
Als Schlußbemerkung sei noch erwähnt, dass es für die Anzahl der fixpunktfreien Permutationen, den Derangements \(D_n\), auch eine rekursive Formel gibt:
\[ D_n = (n-1) (D_{n-1} + D_{n-2}) \qquad \text{mit} \qquad D_1 = 0, \quad D_2 = 1 \]
Die Recontres-Zahlen \(D_{n,k}\) geben die Anzahl der Permutationen einer Menge \(n\) unterscheidbarer Elemente an, bei denen \(k\) ihren ursprünglichen Platz behalten.
Schauen wir uns am Beispiel \(n = 4\) an. In der folgenden Tabelle sind alle 24 Permutationen der vier Buchstaben ABCD abgebildet. Die Fixpunkte sind fett geschrieben.
| ABCD | ABDC | ACBD | ACDB | ADBC | ADCB |
| BACD | BADC | BCAD | BCDA | BDAC | BDCA |
| CABD | CADB | CBAD | CBDA | CDAB | CDBA |
| DABC | DACB | DBAC | DBCA | DCAB | DCBA |
Mit Hilfe von ein wenig Kombinatorik (Poincaré-Sylvester-Formel) kann man sich die folgende Formel zur Berechnung der Recontres-Zahlen überlegen:
\[ \begin{aligned} D_{n,k} & = \binom{n}{k} (n-k)! \sum_{j = 0}^{n-k} \frac{(-1)^j}{j!} \\ & = \frac{n!}{k!} \sum_{j = 0}^{n-k} \frac{(-1)^j}{j!} \end{aligned} \]
| n↓ k➔ | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Summe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 1 | ||||||||||
| 1 | 0 | 1 | 1 | |||||||||
| 2 | 1 | 0 | 1 | 2 | ||||||||
| 3 | 2 | 3 | 0 | 1 | 6 | |||||||
| 4 | 9 | 8 | 6 | 0 | 1 | 24 | ||||||
| 5 | 44 | 45 | 20 | 10 | 0 | 1 | 120 | |||||
| 6 | 265 | 264 | 135 | 40 | 15 | 0 | 1 | 720 | ||||
| 7 | 1854 | 1855 | 924 | 315 | 70 | 21 | 0 | 1 | 5040 | |||
| 8 | 14833 | 14832 | 7420 | 2464 | 630 | 112 | 28 | 0 | 1 | 40320 | ||
| 9 | 133496 | 133497 | 66744 | 22260 | 5544 | 1134 | 168 | 36 | 0 | 1 | 362880 | |
| 10 | 1334961 | 1334960 | 667485 | 222480 | 55650 | 11088 | 1890 | 240 | 45 | 0 | 1 | 3628800 |
Die \(D_{n,0}\) genau die Anzahl der fixpunktfreien Permutationen. Außerdem ist \(D_{n,n} = 1\), da es nur eine Möglichkeit gibt, dass alle Elemente am selben Platz sind und \(D_{n,n-1} = 0\), da es nicht möglich ist, dass nur ein Element den Platz ändert.
Kommen wir noch einmal zu unserem ursprünglichen Problem zurück, nämlich der zufälligen Zuordnung von \(n\) Objekten. Wir haben bereits geklärt, dass ab einer zufälligen Zuordnung von vier oder mehr Objekten die Wahrscheinlichkeit keines richtig zuzuordnen bei etwa 37.8 Prozent liegt. Eine Frage, die sich nun stellt ist:
Wie groß ist der Erwartungswert der Anzahl richtiger Zuordnungen bei \(n\) Objekten?
Mit einer einfachen Überlegung kommt man bereits auf die richtige Antwort:
Damit ist der Erwartungswert für die Anzahl der richtigen Zuordnungen \(n \cdot \frac{1}{n} = 1\).
Mathematisch ist der Erwartungswert für die Zuordnungen der folgende Ausdruck:
\[ E(X) = \frac{1}{n!} \sum_{k=0}^{n} k \cdot D_{n,k} \]
\[ \begin{aligned} E(X) & = \frac{1}{2!} \sum_{k=0}^{2} k \cdot D_{2,k} \\ & = \frac{1}{2} \left(0 \cdot D_{2,0} + 1 \cdot D_{2,1} + 2 \cdot D_{2,2} \right) \\ & = \frac{1}{2} \cdot \left(1 \cdot 0 + 0 \cdot 1 + 1 \cdot 2 \right) \\ & = 1 \end{aligned} \]
\[ \begin{aligned} E(X) & = \frac{1}{4!} \sum_{k=0}^{4} k \cdot D_{4,k} \\ & = \frac{1}{24} \cdot \left(9 \cdot 0 + 8 \cdot 1 + 6 \cdot 2 + 0 \cdot 3 + 1 \cdot 4\right) \\ & = \frac{1}{24} \cdot 24 \\ & = 1 \end{aligned} \] Allgemein zu beweisen wäre dann
\[ E(X) = \frac{1}{n!} \sum_{k=0}^{n} k \cdot D_{n,k} = 1 \qquad \text{für alle } n \ge 1. \]
Zum Schluss des Abschnitts noch zwei kleine R-Programm zur Bestimmung der Recontres-Zahlen.
0 1 2 3 4 6
265 264 135 40 15 1
0 1 2 3 4 5 6 7
176214841 176214840 88107426 29369120 7342335 1468368 244860 34848
8 9 10 11 12
4455 440 66 0 1